Eine Rückzugsoase erschaffen

Sommer 2016.

Meine erste eigene Wohnung.

Keine Wohngemeinschaft, Konkubinat oder Hotel Mama mehr.

Dafür eine persönliche Klingel mit meinem Namen.

Ich mache dreifach-Loopings mit doppelter Schraube im Wohnzimmer vor Freude – zumindest in Gedanken. Ich geniesse meine rosa gefärbte Brille auf der Nase und freue mich über jede einzelne Rechnung, die im Briefkasten liegt. Weil es mein eigener ist.

Ich spüre, wie viel Energie mir die Tatsache schenkt, meine Räume selbst einzurichten.

Keine Kompromisse!

Wirklich keine!

Keine nett formulierte «Welcome»-Fussmatte vor der Türe. Keine Bettwäsche mit qualitativ hochwertigen und glücklichen Gänsedaunen. Keine Geschirrspül-Tabs. Keine Vorhänge. Keine rappelvollen Küchenschubladen. Kein Kallax-Modell von Ikea, um Staubfänger möglichst dekorativ in Szene zu setzen. Und auch keine Küchentücher, die farblich zur Aussenfassade der Wohnung passen.

 

Dafür vier Gabeln. Vier Messer. Vier Teller. Ein Dosenöffner. Zwei auserwählte Teetassen. Selbst gebaute Möbel. Eine Mikrowelle im Schlafzimmer für mein Traubenkernkissen. Eine chillig hängende Glühbirne ohne Lampenschirm. Ein Stuhl für die "vielleicht-ziehe-ich-es-nochmals-an-Kleidung". Eine reservierte Ecke für das Recycling der hohen Anzahl an Bohnenbüchsen. Ein integriertes Bücherregal im Palettensofa (Inklusion und so).

 

Wenn es um die Gestaltung meiner Wohnung geht, definiere ich die Normalität als ein dehnbarer Begriff. Ein Esstisch für die Zeremonie der Nahrungsaufnahme finde ich zum Beispiel völlig überflüssig. Deshalb stelle ich eine Hantelbank (für’s Krafttraining) samt Equipment in mein Wohnzimmer.

Und jetzt kommt's: Ich fühle mich auch noch prächtig dabei!

Oder guckt da so etwas wie eine rebellische Seite an mir hervor? 

 

 

Verblüfft stelle ich immer wieder fest (auch nach dem neunundvierzigsten Mal), dass meine Wohnung mein Innenleben wiederspiegelt. Sind meine Räume unordentlich, so habe ich innerlich nicht aufgeräumt - mit Emotionen, Situationen oder Zielen.

Tanze ich jedoch mit dem Staubwedler durch die Wohnung, so fühle ich mich auch mental aufgeräumter.

 

Räume reflektieren meinen Lebensstil. Ein Spiegel der Seele sozusagen.
Meine Räume haben wenig Inventar, weil ich jeden freien Quadratzentimeter intensiv geniesse und auskoste. Ich brauche meine Wohnung als eine Art Rückzug, um Entscheidungen zu treffen, durchatmen zu können oder aufgefangen zu werden. Selbst die Hantelbank steht sinnbildlich für den Stellenwert, den die Gesundheit in meinem Leben einnehmen darf.

 

Wie sieht es bei dir aus?

 

Nimm den Raum, den du selbst gestalten kannst und fühle in dich hinein:

Fehlt etwas?

Ist etwas zu viel?

Hast du genug «Platz» für dich?

Was willst du wirklich?

Verkaufe, verschenke, gestalte um, schmeisse weg - du kannst sofort damit anfangen.

Geniesse dein Zimmer oder deine Wohnung und verliebe dich in dein Zuhause!

Jeder Tag, an dem du dein Zuhause nicht als «Oase» bezeichnen kannst, ist einer zu viel in deinem Leben.

 

In diesem Sinne

Bleib dran – es lohnt sich!

 

Noémie

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Kommentare: 2
  • #1

    Chris (Mittwoch, 04 Oktober 2017 19:40)

    Hatte vollkommen das Gefühl, es selbst miterlebt und deine Emotionen mitgefühlt zu haben. Deine Begeisterung für jedes Detail ist spürbar. Endlich dein Leben selbst bestimmen zu können. Sehr schöner Eintrag in dein Tagebuch!

  • #2

    Noémie (Mittwoch, 04 Oktober 2017 20:46)

    Guten Abend Chris
    Herzlichen Dank für deine berührenden Worte und Gedanken zum Artikel! Genau, es ist ein irrsinniges Gefühl, das Leben selbst bestimmen zu können. Ebenfalls freut es mich sehr zu lesen, dass die Emotionen bis zu deiner eigenen Oase gereist sind und die Begeisterung spürbar wurde. Mit deinem Kommentar hast du mir einen wundervollen Energieschub geschenkt - Dankeschön!
    Lass es dir gut gehen, Chris!
    herzliche Grüsse
    Noémie

 

 

Noémie erzählt - aus ihrem Leben.

Der Blog für den Weg des Gesundens bei emotionaler Instabilität und Depressionen.


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