Vitalität steigern - der Stoffwechsel als unterschätzter Faktor

Nein!

Nicht hier und nicht jetzt!

Doch ich habe nichts zu sagen.

Mein Körper zittert und schwitzt, obwohl ich mich nicht sportlich betätige.

In meinem Kopf drehen Schokoladencroissants, Brownies und Oreo-Kekse unbeirrt ihre Runden.

Ich gebe mich geschlagen und greife zur nächsten Schokoladenquelle. Erst wenn ich diese Speisen förmlich in mich reinstopfe, ist mein Körper wieder im Normalstatus anzutreffen.

Immer wieder.

Und vor allem immer häufiger.

Manchmal sogar zweimal pro Tag.

Laut Internetrecherche kann ich zwischen Diabetes, einer beginnenden Panikattacke und einer Schilddrüsenüberfunktion wählen. Und das bei einem neunzehnjährigen Menschen.
Auf einer nächsten Seite entdecke ich sogar die Überschrift «Persönlichkeitsveränderungen» in Bezug auf Schokoladengelüste. Ich weiss kurz nicht, ob es mir Angst macht oder mich freut, vielleicht bald veränderte Persönlichkeitszüge an mir zu entdecken.

 

Ich entscheide mich für die Angst und beschliesse, meinen Hausarzt zu kontaktieren. Doch vor allem motiviert mich der schockierende Blick auf die Waage.

Muskeln und Knochen können ja schon schwer sein, doch so gewichtig wäre mir neu.

 

Der Hausarzt kann mir keine Lösung anbieten.

Auf dem Papier bin ich gesund.

Bin ich schokoladensüchtig? Bilde ich es mir einfach nur ein? Ist es psychisch?

Nein.

Diesmal nicht. Sowas ist nicht psychisch.

 

Ich stosse auf eine sogenannte Stoffwechselanalyse.

Wikipedia sagt, es ist eine Methode, mit der der individuelle Stoffwechseltyp festgelegt werden kann.

Zugegeben, ich habe keine Ahnung, was das sein soll – doch das Wörtchen «individuell» klingt bei mir an. Es suggeriert mir das Gefühl, nicht schubladisiert zu werden.

Das ist mir das sehr viele Geld wert.

 

Ich rufe in einer Firma an, welche diese Analyse anbietet.

 

Ich kriege sogleich eine Aufgabe: Ich soll an einem durchschnittlichen Tag alles dokumentieren, was ich esse, wann ich esse und wie viel ich esse. Diese Notizen soll ich zum Besprechungstermin mitnehmen.  

 

Gesagt, getan.

Ich gehe zum Termin.

Zeige meine Ernährungsliste. Die Schokolade habe ich drin gelassen, doch das weisse Toastbrot ist auf der Liste plötzlich zu Vollkorn geworden. Und ein Gemüsesmoothie wollte auch mit auf’s Blatt. So hoffe ich, dass "es" nicht allzu schlimm für mich rauskommt.

 

Mein Gegenüber zückt drei verschiedene Leuchtstifte und markiert wild nach diversen Worten. Ihre Zielstrebigkeit macht mir Angst. Sie hört erst auf, als das Blatt komplett farbig ist.

Ich versuche, mir in Gedanken eine Mischung aus Erklärung und Entschuldigung zusammen zu dichten. Für was weiss ich selbst nicht genau.

Kurz darauf beginnt die Stoffwechselanalyse-Dame ihre Markierungen zu erklären. Eine Farbe für die Kohlenhydrate. Eine für die Fette und die letzte für die eiweisshaltigen Lebensmittel auf der Liste.

 

Ich bin keine Ernährungsqueen, doch die Farbe der Kohlenhydrate ist besonders dominant. Bisher teilte ich Nahrungsmittel immer in «gesund» und «ungesund» ein - je nachdem, was die Medien darüber zu berichten wussten. Zugegeben, ich habe mich noch nie so genau mit meiner Ernährung befasst.

«Sie essen eine extrem kohlenhydratreiche Kost», spricht die Dame aus.

Ich lächle tapfer. Nur zur Sicherheit, denn ich nicht weiss, ob das ein Kompliment ist oder mein Todesurteil.

 

Jetzt werde ich an einen Computer gesetzt, an beiden Handgelenken wird mir eine Art Handkette befestigt. Jetzt muss ich für einige Minuten still dasitzen. Danach spuckt der angeschlossene Computer ein ganzes Heft aus, das meinen aktuellen Stoffwechseltyp beschreibt.

 

Ich bin beeindruckt.

 

Die Dame blättert darin herum und bleibt auf einer der ersten Seiten stehen. Auch hier arbeitet sie schwungvoll mit leuchtenden Stiften.

«Sie haben einen Hypophysentyp in Kombination mit dem Parasympathikustyp. Der ist zuständig für die Energie, der Drüsentyp für das Gewicht. Vermutlich fühlen Sie sich sehr müde, denn ihre Vitalität liegt bei 20%. Alleine mit der Ernährungsumstellung werden sie in den nächsten vier Monaten bis auf 80%, mit Nahrungsergänzung sogar auf 90% kommen.»

 

Ich höre einfach nur zu, unfähig, etwas zu sagen. Sie sagt es so, als hätte sie es bereits mit mir vorbesprochen.

Doch ich verstehe nur Bahnhof. Und bin komplett überfordert.

 

Die Dame erklärt mir das weitere Vorgehen.

Vier Monate nach Plan essen.

Eine Art Kur, meinen Stoffwechsel wieder in’s Gleichgewicht zu bringen. Meine Schokoladenüberfälle erklärt sie als eine Art Unterzuckerung, die durch meine Ernährung völlig nachvollziehbar seien.

 

Oh.

 

Sie meint es ernst. Grosszügig streicht sie mir die «guten» Dinge aus dem Plan. Schokolade, Alkohol und Koffein verstehe ich ja. Aber auch die Milchprodukte sind gestrichen. Kein weisser Reis. Keine Ananas. Keine Orange. Kein kohlesäurehaltiges Wasser. Kein Honig. Kein grüner Tee. Kein Rapsöl.

 

Ab sofort nur noch drei Mahlzeiten am Tag. Ich kann jedoch so viel essen, wie ich will. Einzige Bedingung: Wenn ich mehr Kohlenhydrate esse, dann muss ich die Fettmenge und die Eiweissmenge ebenfalls erhöhen. Das Verhältnis muss anscheinend immer stimmen. Die Lebensmittelangaben pro Portion sind in Gramm angegeben. Abschliessend sagt sie mir, dass ich frei bin, mir die Speisen selbst zusammenzustellen.

 

Ich fühle mich alles andere als frei. Eingeschränkt trifft es besser.

Höflich bedanke mich für das Gespräch und trete den Nachhauseweg an. Ich bin in mich gekehrt und nachdenklich. Die Ursache meiner Beschwerden wurde offensichtlich gefunden. Doch dass es wortwörtlich eine Umstellung der Ernährung und Lebensweise sein soll, damit hätte ich nicht gerechnet.

 

 

Obwohl ich mich von den Informationen überrumpelt fühle, beschliesse ich, diese Kur als eine Art Experiment zu sehen. Was sind vier Monate in meinem gesamten Leben? Peanuts.

Ich schaue kurz im Heft nach - Peanuts darf ich 5g pro Portion essen.. ich bin also gerade dabei, mich mit der Veränderung anzufreunden.

 

Ja, ich werde es tun.

Mit Nahrungsergänzung. Wenn schon, denn schon.

Für meine alarmierenden zwanzig Prozent Vitalität.

Und ein bisschen auch, weil ich viel Geld dafür bezahlt habe.

Vier Monate später beim Kontrolltermin werden meine Werte erneut gemessen. Was hat sich verändert?

  • Die Schokoladenüberfälle sind bereits nach Mahlzeit zwei (!) komplett weg

  • Die Waage misst meinen Körper um 12kg leichter
  • Drüsen- und Ernährungstyp sind balancierter
  • Kein Hungergefühl
  • Aktueller Stand von Vitalität: 75%

Verblüffend und beeindruckend, welchen grossen Faktor die Ernährung auf mein Erleben hat. Ich unterteile Lebensmittel nicht mehr in gesund und ungesund. Ich verstehe die Wirkung von Lebensmitteln auf meinen Stoffwechsel. Und die Auswirkungen auf mein seelisches und körperliches Wohlbefinden.

 

Doch ich möchte dich vorwarnen. Und nichts schönreden.

Diese Umstellung ist nicht immer leicht.

Manchmal sogar sehr schwer.

 

Zu dieser Zeit gehe ich regelmässig zur Gesprächstherapie, wohne in einer therapeutischen Wohngemeinschaft und arbeite in einer geschützten Werkstätte. All diese Faktoren haben dazu beigetragen, meine Vitalität von 20% auf 75% überhaupt steigern zu können. Diese Unterstützung habe ich gebraucht, damit die Ernährung ihre spürbare Wirkung entfalten konnte.

 

Winston Churchill sagte bereits:

«Man soll dem Leib etwas Gutes bieten, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen.»

 

Die Psyche isst mit.

Lädst du sie heute Abend zu einem romantischen Candle Light Dinner ein?

Und wer darf euch ausserdem Gesellschaft leisten?

 

In diesem Sinne

Bleib dran – es lohnt sich!

 

Noémie

 

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Noémie erzählt - aus ihrem Leben.

Der Blog für den Weg des Gesundens bei emotionaler Instabilität und Depressionen.


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