Freundschaftsanfrage an den Körper versenden

 

In der Pubertät passiert so einiges.

Kompliziertes.

Der Beziehungsstatus zu meinem Körper zum Beispiel.

 

Ich vermeide den Blick in den Spiegel.

Füge ihm Schmerzen zu.

Werte ihn ab.

Finde genügend Stellen, die Optimierungsbedarf haben.

Doch ab und zu lächle ich auch.

Ironisch.

Über psychologische Übungen.

Die mich meinem Körper näherbringen sollen.

Mir würde es nie in den Sinn kommen, meinen Füssen einen Dankesbrief zu schreiben, weil sie mich täglich durch meine Welt tragen. Meinem Therapeuten zuliebe wage ich einen Versuch.

Bereits bei der Überschrift «Liebe Füsse…» komme ich mir so deplatziert vor wie die Intelligenz eines noch warmen Bügeleisens. Ich sehe meinen Körper eher als praktisches «Ding», um Bestleistungen anzustreben.

 

Ich werfe das zerknüllte Papier in den Abfall. Und beschliesse, Briefe schreiben als veraltet zu bewerten.

Hätte es damals schon Facebook gegeben, wäre ich trotzdem nicht auf die Idee gekommen, meinem Körper eine Freundschaftsanfrage zu senden. 

 

Einfach ausgedrückt: es ist kompliziert.

 

Vor allem fehlt mir die Anleitung, wie ich mit meinem Körper umzugehen habe. Eine Art Beipackzettel, der mich über dieses «Ding» informiert.
Im Sinne von:

Was ist der Körper und wie wird er angewendet?

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Was ist ferner zu beachten?

Mein Körper würde auch so eine Zulassungsnummer plus Stempel der Swissmedic (Schweizerisches Heilmittelinstitut) bekommen. Die umfangreichen Analysen könnten für die Wirksamkeit und Funktionalität des Körpers garantieren. Und ich Verantwortung abgeben.

 

Das wär doch mal was!

Mein Körper wäre bestimmt rezeptpflichtig.

 

Zehn Jahre, etliche Krankheitsepisoden und Therapiesitzungen später hat sich meine Einstellung gegenüber meinem Körper komplett verändert. Heute bin ich mir sicher:

Mein Herz weiss alles über mich.

Jede Zelle in meinem Körper hört und sieht alles, was ich denke und sage. Jede Zelle weiss um meine Talente, was mich ärgert und wovon ich träume. Jede Zelle nimmt das Gefühl wahr, dass etwas rund läuft oder noch nicht stimmig ist.

Es ist die Zelle und nicht der Kopf.

Der Kopf denkt bloss, er könnte mich glücklich machen. Doch er weiss nicht, was ich in fünf Minuten brauche und wo ich in fünf Jahren stehen werde. Mein Herz weiss es allerdings ganz genau!

 

Das ist keine Online-Freundschaftsanfrage mehr, das ist eine Liebeserklärung ausserhalb des Handybildschirms.

Romantik liegt in der Luft.

Sie reicht sogar bis zu meinen Füssen.

 

 

 

Der gesamte Körper ist ein Wunderwerk der Natur.

Er kann nicht lügen.

Er gibt klare Rückmeldungen, was er vom täglichen Lebensstil hält. Und manchmal sind die Wurzeln tief in der Psyche verankert.

 

Bauchweh? Schwer verdauliche Kost. Irgendetwas liegt auf dem Magen.

Hörsturz? Erhöhter Stresspegel, fehlende Balance. Es nicht mehr hören können.

Bandscheibenvorfälle und Bluthochdruck? Haben oft mit Druck zu tun.

Fieber, Erkältungen? Bitte einen Gang runter schalten.

Knochenbruch? Zeitnaher Bruch in der Seele.

Kopfschmerzen? Gedankenkarussell. Spannungszustände.

Rückenschmerzen? Fehlender Rückhalt. Sich verbiegen. Sich krumm machen.

 

Ich bin kein Arzt. Doch davon überzeugt, dass selbst die kleinsten «Wehwehchen» des Körpers nicht überflüssig sind.

Niemals!

Sie sind wichtige Botschaften und Geschenke, deinen Weg im Leben zu finden. Mit ihnen kannst du dir deinen ganz persönlichen Beipackzettel erstellen – sofern du das magst.

Vermutlich gibt dir dein Körper nicht immer, was du willst.

Aber immer, was du brauchst.

Durch seine Ehrlichkeit zwingt er dich zu der Frage: «Was treibe ich eigentlich da?»

Er will bloss ein Mensch, der Bock hat zu leben.

Und er hat Bock, mit dir befreundet zu sein.

Er wartet schon längst darauf, deine Freundschaftsanfrage strahlend bestätigen zu dürfen. 

 

Wann sendest du ihm deine Freundschaftsanfrage?

 

In diesem Sinne

Bleib dran – es lohnt sich!

 

Noémie

 

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Noémie erzählt - aus ihrem Leben.

Der Blog für den Weg des Gesundens bei emotionaler Instabilität und Depressionen.


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