So tun als ob

Ich bin eine Tagträumerin.
Es ist sozusagen mein Hobby.

Ich katapultiere mich an wunderschöne Orte.
Beame mich in nette Situationen.
Denke an Ereignisse oder Diskussionen, die vermutlich nie stattfinden werden.
Ich setze meinen Gedanken keine Grenzen - je kreativer, desto besser. Doch der wirklich spannende Teil der Geschichte ist die Möglichkeit, diese Träumereien auch tatsächlich zu leben.

Wie das geht?

Einfach mal so tun als ob.

 

Wenn ich arbeitslos bin, einfach so tun, als hätte ich Arbeit.

Und wenn ich Arbeit habe, als hätte ich keine.

Wenn ich stehenbleibe und nicht weiterweiss, so tun als wäre ich angekommen.

Oder als wäre die Lücke der lang ersehnte Freiraum.

 

Klingt idyllisch.

Unbestritten.

 

Doch wie sieht der praxiserprobte Teil aus?

Das möchte ich dir gerne anhand eines Beispiels erklären.

Ich träume davon, dass mir die Texte als Bloggerin nur so zufliegen, sich in gewünschte Wortkombinationen reihen und vollautomatisch hochladen. Dazu sehe ich mich an einem überteuerten Stehpult stehen, während ich lächelnd auf den Desktop blicke und meine beschwingten Finger nur so über die Tastatur fliegen.

 

Der idyllische Part wäre hiermit beendet.

Jetzt folgt die Praxis.

 

Ich tue also so, als wäre das meine Realität.

Ganz simpel.

Eigentlich.

Doch bereits bei dem Wort «Stehpult» schüttelt mein Kontostand grinsend den Kopf und lacht sich schlapp. Es führt kein Weg an einer spontanen Bastelaktion vorbei - ich baue mir selbst so ein Teil.

Der zurückhaltende Schubladenschrank in der Ecke springt mir direkt in’s Auge. Für meine einhunderteinundsiebzig Zentimeter benötige ich noch zwei dicke Ordner auf der Ablagefläche (wusste ich's doch, dass das Aufbewahren meiner Akte noch Sinn ergibt). Schnell noch den Laptop oben drauf, fertig.

Ich nicke zufrieden.

Auch meine Rückenwirbel jubeln. Ergonomischer hätte ich meine neue Schreibecke nicht gestalten können.

Das Angrinsen des Desktops kriege ich auch noch hin und die Finger erledigen ihren Auftrag ebenfalls. Schon bin ich mittendrin, so zu tun, als würden mir die Zeilen nur so zufliegen. 

Ich glaube, sie finden den Weg unter diesen Umständen tatsächlich leichter zu mir.

 

 

«So zu tun als ob» darfst du dir als Einladung vorstellen, die du an deine Träume verschickst. Deine Träume wissen nun, dass es dir ernst ist und sie werden in dein Leben kommen. Nicht jetzt und sofort, sondern in der Zeit, in der du bereit bist dafür.

 

Diese Strategie funktioniert nicht nur, wenn du von einem Stehpult träumst. Es scheint fast so, als wäre das sogar die homöopathische Lösung auf schwere Gedanken.

 

Du hast keinen Grund zu lächeln?

Ziehe trotzdem die Mundwinkel hoch. Falls du dir albern vorkommst, übe im Klo. Die Motivationstrainerin Vera F. Birkenbihl schwört darauf, sechzig Sekunden durchgehend zu grinsen und sogar eine sofortige Wirkung zu spüren. Achtung: sechzig Sekunden können sehr lang sein..

 

Du fühlst dich depressiv?

Verhalte dich trotzdem so wie ein Nicht-Depressiver. Besuche Orte, die ein Nicht-Depressiver besucht. Kleide dich so. Esse so. Benutze die gleichen Worte und nehme dieselbe Körperhaltung ein. Lockere deine Gesichtsmuskeln.

 

Probiere einfach mal aus und nehme die Veränderungen wahr. In dir und um dich herum. Möglichst ohne Druck.

Du alleine bestimmst die Regeln. Für fünf Minuten? Vielleicht zwei Stunden? Oder einen ganzen Tag?

Wovon träumst du, wenn du dich langweilst?

Aus dem Zugfenster schaust?

Unfreiwillig über die Beschaffenheit irgendwelcher Wohnzimmervorhänge informiert wirst?

Was siehst du dann?

 

Gefalle dir selbst.

 

So zu tun braucht Überwindung.

Und Mut.

Wie so oft geht es am Ende des Tages darum, es auch tatsächlich getan zu haben.

 

In diesem Sinne

Bleib dran – es lohnt sich!

 

Noémie

 

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Noémie erzählt - aus ihrem Leben.

Der Blog für den Weg des Gesundens bei emotionaler Instabilität und Depressionen.


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