Ist es überflüssig, Energie für Freude einzusetzen?

 

Grüne Bohnen!

Ich will doch nur eine Büchse mit grünen Bohnen kaufen!

Meine Gedanken sind genervt.

In den Gängen des Einkaufszentrums werde ich von der Weihnachtsdekoration erschlagen. Die Regale glitzern um die Wette. Ich erkenne meine Körperumrisse in den Kugeln, die an aufklappbaren Tannenbäumen mit Kunstschnee an der Nadel hängen.

In zwei Wochen ist Weihnachten. Ich mag Weihnachten nicht.

Ich mag grüne Bohnen.

Ohne saisonale Dekoration.

Immer dieser Jammer-Modus.

Ich brauche meine Energie für Dinge, die ich nicht ändern kann. Doch plötzlich taucht ein neuer Gedanke auf.

Was wäre, wenn ich diese Energie bewusst für die schönen Momente benütze? Bisher war ich der Meinung, die Energie für die krisengeschüttelten Zeiten aufzusparen, um mich dann wieder auffangen zu können.

Ich bin skeptisch und neugierig zugleich.

Ist es denn überflüssig, wertvolle Energie für so etwas wie Freude einzusetzen?

 

Ich denke nach und trage einen passenden Gesichtsausdruck dazu.

Was ist denn eigentlich Freude?

Wikipedia klärt mich folgendermassen auf:

«Freude ist der Gemütszustand oder die primäre Emotion, die als Reaktion auf eine angenehme Situation oder die Erinnerung an eine solche entsteht. Je nach Intensität äussert sie sich als Lächeln, Lachen oder einem Freudeschrei.»

Soso.

Ich und Freudeschrei? Dass ich nicht lache… da wollen wir es mal nicht übertreiben. Aber angenehme Situationen schaffen traue ich mir zu. Sogar jetzt, wo sich die Umgebung als absoluter Härtetest präsentiert. Die Weihnachtszeit gehört nämlich noch nicht zu meinem Hobby.

 

Energie einsetzen für Freude. Klingt so einfach und ist mir doch so fremd. Ob das bereits jemand bewusst praktiziert?

Auf jeden Fall hole ich mir dieses Gefühl mit folgenden Aktivitäten in meinen Alltag:

Spaghetti Bolognese mit den Fingern essen. 

Ein Abwaschmittel mit meinem Lieblingsgeschmack auswählen.

Die Kassiererin im Supermarkt mit ihrem Familiennamen ansprechen.

Eine ulkige Combox-Nachricht aufnehmen und rätseln, ob überhaupt noch jemand eine Nachricht hinterlässt.

Einen motivierenden Spruch auf den Spiegel schreiben.

Witze auswendig lernen und unaufgefordert meinem Umfeld erzählen.

Meinen Lieblingssong stundenlang auf Repeat stellen.

Lachyoga-Videos im Internet ansehen. Und mitmachen.

 

Durch die freudigen Momente sprudelt es nur so an neuen Ideen.

Manchmal sind auch ganz verrückte Dinge dabei (Nachmachen auf eigene Gefahr!).

 

Links auf der Rolltreppe stehen.

Den Müll bereits am Abend vor der Müllabfuhr an den Strassenrand stellen. 

Äpfel der Sorte «Gala» auswählen und auf der Waage auf «Jonagold» klicken.

Crocs anziehen und sich für cool halten.

Die Wohnzimmerpflanze als Weihnachtsbaum dekorieren.

Joghurt zwei Tage nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch essen.

Leben am Limit.

 

 

Ich stelle meine eingekaufte Büchse Bohnen unter meinen eingeweihten Weihnachtsbaum. Einfach so, weil ich Lust dazu habe.

Was lerne ich daraus?

Freude ist nur im Hier und Jetzt anzutreffen und darf immer wieder neu aufgebaut werden.

Die Momente stecken sich irgendwie gegenseitig an. Obwohl ich Energie dafür einsetze, kriege ich das Doppelte zurück.

Die Herausforderungen im Leben werden leichter.

Mein Gesichtsausdruck ist entspannter.

Ich schüttle lachend den Kopf. Nein, es ist nicht überflüssig, Energie für Freude einzusetzen. Und hole zur Feier des Tages einen Dosenöffner aus der Schublade.  

 

Freude ist vielmehr eine Entscheidung. Sie stellt sich ein, wenn du sie einstellst.

 

In diesem Sinne

Viel Freude bei der Einstellung!

 

Noémie

 

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