Was bin ich denn jetzt?

Ich setze Vorsätze um, die ich nicht habe.

Anscheinend.

Anders kann ich mir das Ausmisten im Keller jedenfalls nicht erklären.

Und doch fällt mir ein kleines Buch auf. Ein Buch über die Waage, also das Horoskop. Es beschreibt humorvoll die Menschengruppe, welche unter diesem Sternzeichen geboren ist.

Der Humor hat Tiefgang. Ich fühle mich überdurchschnittlich oft angesprochen und kann mich mit den Zeilen absolut identifizieren. 

Zur gleichen Zeit meldet sich ein Leser auf den letzten Artikel (Introversion als Defekt in der Persönlichkeit?) bei mir. Er fragt mich, wie er überhaupt herausfindet, introvertiert zu sein.

 

Sehr gute Frage, denke ich.

 

Es gibt ja allerhand Begriffe, die in der Gesellschaft rumfliegen und mit der Eigenschaft «introvertiert» oft in Verbindung gesetzt werden. Der offiziellen Verwirrung sind keine Grenzen gesetzt.

Bin ich introvertiert, schüchtern, depressiv, unhöflich oder gar asozial?

Egoistisch, reserviert oder ein Eigenbrötler?

Oder doch nur mein Sternzeichen, das hin und wieder geeicht werden muss?

 

Was bin ich denn jetzt genau?

 

Die Antwort auf diese Frage lernt man nicht in der Schule.

Schade eigentlich.

Doch wer braucht schon Schule. Wikipedia regelt.

Und versorgt mich auch heute zuverlässig mit den nötigsten Informationen zum Thema Persönlichkeitseigenschaften. 

„Introversion (introvertiert) und Extraversion (extravertiert) sind zwei Pole einer Persönlichkeitseigenschaft, die durch die Interaktion mit der Umwelt charakterisiert wird. (…) Den Begriffen nach bezeichnet Introversion eine nach innen, Extraversion eine nach außen gewandte Haltung.“


Okay.

Die Theorie sitzt.

 

Für die Praxis hilft mir folgende Frage: Wie gewinne ich an Energie?

Es ist sogar die wichtigste Frage, die mir dabei geholfen hat, herauszufinden, wie ich funktioniere.

Kann ich meine Batterien aufladen, wenn ich alleine am Bodenseeufer sitze?

Beim Polterabend in Las Vegas?

Beim Himbeermarmelade kochen?

An der Street-Parade in Zürich?  

Bei der Gestaltung eine neuen Aquariums?

Wenn ich die Tennissocken zielsicher mit dem Hawaiihemd vor dem Spiegel kombiniere?

Oder doch bei einem Winterspaziergang? 

 

 

Wichtig für die Auswertung zu wissen:

Lädst du dein Akku auf, sobald du für dich alleine sein kannst? Je mehr Energie du aus ruhigeren Aktivitäten und Orte ziehst, desto eher hast du eine introvertierte Persönlichkeit. Hiermit bevorzugst du die innere Welt der Gedanken und Empfindungen.

Der eine Mensch geht gern in sich hinein, der andere gern aus sich heraus. Wenn du extravertiert bist, erlebst du jede äussere Erfahrung bewusst und kannst diese geniessen.

 

Ein weiterer Hinweis kann dir die Familie geben. Warst du früher eher mit stilleren Menschen umgeben oder mit temperamentvolleren, die sich über deine Wesensart wunderten?

Ebenfalls hilft mir das Aneignen von Wissen. Informationen in Form von Reportagen, Gesprächen oder Fachbücher. Letztendlich geht es um das eigene Gefühl. Was fühlt sich gut an, wenn du es liest oder hörst? 

Selbst das Internet will dich deiner Wesensart näherbringen. Bei der Suchanfrage «introvertiert Test» spuckt Google über 95'300 Ergebnisse aus – in weniger als einer Sekunde! 

Such dir einfach einen Test aus und schau, was dabei rauskommt.

Gilt übrigens auch für extravertierte Persönlichkeiten.

 

Ob man eher introvertiert oder extravertiert ist, sagt nichts darüber aus, wie zufrieden und erfolgreich jemand ist. Sobald du dich auf die Reise nach deiner Wesensart machst, wirst du sehr wahrscheinlich mit Gelassenheit und einer wundervollen Leichtigkeit beschenkt.

 

Du bist gut so, wie du bist!

Und gut Ding will bekanntlich Weile haben.

 

In diesem Sinne

Viel Vergnügen auf deiner spannenden Reise!

 

Noémie

 

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